{"id":8076,"date":"2021-03-09T12:46:11","date_gmt":"2021-03-09T11:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/?p=8076"},"modified":"2021-03-10T18:19:12","modified_gmt":"2021-03-10T17:19:12","slug":"8076","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/2021\/03\/09\/8076\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche-2021.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8075\" src=\"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche-2021.png\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche-2021.png 700w, https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/banner-mdl-sonja-bongers-corona-gespraeche-2021-300x94.png 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<header class=\"sb-entry-header\">\n<h1 class=\"sb-headline\">Corona<span class=\"sb-light\">-Gespr\u00e4che | 03<\/span><\/h1>\n<h3 class=\"spd-ob-crossheading\" style=\"font-size: 32px !important;\"><span class=\"sb-light\">Heute zu Gast: <\/span>Dr. Christine Vogt<span class=\"sb-light\">, Direktorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen<\/span><\/h3>\n<\/header>\n<p class=\"sb-zur-person\"><em>Die Kultur z\u00e4hlt mit zu den Hauptleidtragenden der Corona-Pandemie. \u00dcber den Umgang mit der schwierigen Situation f\u00fcr die Museen, die Zukunftssorgen aber auch \u00fcber die Probleme der vielen freien K\u00fcnstler berichtet die Kunsthistorikerin im Gespr\u00e4ch mit Sonja Bongers.<\/em><\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Die Museen sind zu. Viele H\u00e4user setzen jetzt auf Online-Formate. Wie stehen Sie dazu?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Ich will es mal so sagen. Ins Museum gehen ist ins Museum gehen, und vor dem Computer sitzen ist eben vor dem Computer sitzen. F\u00fcr mich als Kunsthistorikerin ist das uninteressant. Ich frage auch immer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nach &#8211; das sind oftmals kulturaffine Leute &#8211; wie die das sehen. Da ist keiner, der nach drei Zoombesprechungen \u00fcber den Tag, abends noch Lust hat, am Computer Kunst anzusehen. Es ist einfach etwas anderes, in einem Museum zu sein. So eine Ausstellung lebt von den R\u00e4umlichkeiten und von dem Miteinander der Bilder. <!--more--><\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Dennoch laufen in der Ludwiggalerie auch Online-Angebote. Wie sind die denn bislang angenommen worden?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Meine Kolleginnen und Kollegen sagen mir immer, das l\u00e4uft ganz gut, aber das ist nat\u00fcrlich kein Megaseller.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Jetzt k\u00f6nnen die Museum ja nun wieder \u00f6ffnen. Wie gehen Sie mit der Situation um?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Wir arbeiten mit Zeitfenstern. Die Leute m\u00fcssen sich per Mail oder telefonisch anmelden und registrieren lassen. Dann bekommen sie ein Termin wann sie kommen k\u00f6nnen und wie lange sie bleiben d\u00fcrfen. Ist nat\u00fcrlich anders als sonst. Wir setzen ja immer darauf, die Leute m\u00f6glichst lange im Haus zu halten. Es d\u00fcrfen auch nur 40 Leute auf einmal ins ganze Haus. Das sind dann pro Tag maximal 150 Besucher. Zum Vergleich: Bei der Linda McCartney-Ausstellung hatten wir auch schon mal 1500 an einem Tag. Damit ist auch eins klar: Wir k\u00f6nnen so nicht mehr auf unsere anvisierten Besucherzahlen kommen. Das habe ich auch im Gespr\u00e4ch mit den anderen Ruhrkunstmuseen thematisiert. Wir sind ein Museum mit guten Besucherzahlen. In der Woche ist es voll durch die Schulklassen, am Wochenende durch die Einzelbesucher. Wie das jetzt dauerhaft aufgefangen werden soll, ist mir schleierhaft.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Gibt es denn irgendwelche Hilfen f\u00fcr die Museen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Es gibt Geld aus dem Topf von Kulturstaatsministerin Monika Gr\u00fctters. Aber in dem Papier steht auch drin, dass kommunale Museen ausgeschlossen sind. Das ist maximal unverst\u00e4ndlich. Man wundert sich schon. Dennoch haben wir ja noch Gl\u00fcck. Wir sind bei der Stadt besch\u00e4ftigt. F\u00fcr die K\u00fcnstler und Soloselbstst\u00e4ndigen hingegen ist das viel problematischer. Und nat\u00fcrlich f\u00fcr die Leute, die erkrankt sind oder gar die ganzen Toten, davon wollen wir lieber gar nicht sprechen. Da jammern wir auf hohem Niveau.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Gibt es dennoch Kontakte zu anderen H\u00e4usern hinsichtlich gemeinsamer Projekte?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Ich bin gut vernetzt mit den 21 Ruhrkunstmuseen. Doch der direkte Austausch fehlt. Aber klar, es gibt Pl\u00e4ne, was k\u00fcnftig kommen soll. Das ist aber von Corona unabh\u00e4ngig. Wir brauchen die Planungssicherheit. Normalerweise ist es so, dass jedes Format, jede Ausstellung nach einem Plan l\u00e4uft. Das ist quasi vorgegeben. Nun m\u00fcssen wir sehen, was ist \u00fcberhaupt m\u00f6glich. Das erschwert schon die Arbeit. Und erzeugt gro\u00dfe Unsicherheiten.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Sie haben ja auch den Blick auf Deutschlands Kunstszene. Sehen sie Probleme bei den K\u00fcnstlern. Denn nicht alle sind ja Gutverdiener?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Ja, die Probleme sehe ich. Viele versuchen sich mit Jobs \u00fcber Wasser zu halten und fliegen dann prompt aus der K\u00fcnstlersozialkasse (Anmerkung: In der K\u00fcnstlersozialkasse sind K\u00fcnstler, freie Journalisten und Schauspieler sozialversicherungspflichtig \u00fcber den Staat versichert, um sie so vor Altersarmut zu sch\u00fctzen). Das ist ein ganz gro\u00dfes Problem. Dem muss die Politik entgegensteuern.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Sind K\u00fcnstler aber nicht generell immer finanziell unter Druck?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Ein Beispiel: Drei Prozent der Absolventen der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie k\u00f6nnen von ihrer Kunst sp\u00e4ter leben. Drei Prozent\u2026 Alle anderen haben zu ihrer Kunst irgendwelche Brotjobs auf Honorarbasis oder haben Partner, die verdienen. Auch wir haben Leute hier besch\u00e4ftigt, die beim Aufbau oder bei anderen Dingen helfen. Das f\u00e4llt derzeit alles weg. Alle diese kleinen Nebenjobs, sind weg und das ist schrecklich.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Warum wird das denn nicht \u00f6ffentlich. Davon bekommt man ja eigentlich sehr wenig mit.<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Viele von den betroffenen K\u00fcnstlern gehen damit nicht nach au\u00dfen. Das ist auch schambesetzt. Wer will schon sagen, dass er jetzt von HartzIV lebt. Und die Gruppe ist gar nicht so klein. Es inzwischen doch so, dass die Kreativwirtschaft mittlerweile ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit vielen kleinen Soloselbstst\u00e4ndigen ist.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Gibt es denn unter den K\u00fcnstlern eine gute Vernetzung um mit den Problemen klar zu kommen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Es gibt die K\u00fcnstlerb\u00fcnde, die auch solche Fragen ansprechen. Aber nat\u00fcrlich sind nicht alle dort organisiert. Leute die Kunst machen, sind auch individuell unterwegs.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Wie h\u00e4lt man so ein Team denn in so einer Pandemie zusammen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Es ist ein gutes Team hier in Oberhausen. Wir habe richtig gute Leute hier.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Was kann ich als Politikerin mitnehmen?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Das Problem mit der K\u00fcnstlersozialkasse muss angesprochen werden und das Zweite ist: Was ist mit den Museen, wenn wir dauerhaft nur so wenig Leute hereinlassen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen unsere Kennzahlen nicht mehr erf\u00fcllen. Das Konstrukt des Haushalts f\u00e4llt damit auseinander. Wenn das andauert, was ist dann. Das betrifft auch die gro\u00dfen H\u00e4user wie das Folkwang-Museum. Was ist, wenn nach Corona irgendwann von 21 Ruhrkunstmuseum nur noch zehn \u00fcbrig sind. Da stehen ja auch noch andere Dinge dahinter. Dann k\u00f6nnten Frage aufkommen, wie zum Beispiel, ben\u00f6tige ich \u00fcberhaupt so viele Studieng\u00e4nge f\u00fcr Kunstgeschichte an den Hochschulen. Dann wird da noch etwas eingespart oder zusammengelegt. Das sind so schleichende Prozesse. Darum geht es ja. Das muss Politik auf dem Schirm haben.<\/p>\n<p class=\"sb-frage\"><span class=\"sb-interviewer\">Sonja Bongers: <\/span> Wenn die Pandemie wirklich einmal vorbei sein sollte, was machen Sie dann als erstes?<\/p>\n<p class=\"sb-antwort\"><span class=\"sb-interviewter\">Christine Vogt: <\/span> Ich werde in ein anderes Museum gehen und mir in aller Ruhe eine Ausstellung ansehen.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4chsreihe wird fortgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona-Gespr\u00e4che | 03 Heute zu Gast: Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen Die Kultur z\u00e4hlt mit zu den Hauptleidtragenden der Corona-Pandemie. \u00dcber den Umgang mit der schwierigen&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2275,40],"tags":[2788,2463,2780,2781,2794,2795],"quellen":[1317],"class_list":["post-8076","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-corona-krise","category-kultur","tag-corona-gespraeche","tag-corona-pandemie","tag-kuenstlerinnen-und-kuenstler","tag-kuenstlersozialkasse","tag-ludwiggalerie","tag-museen","quellen-mdl-sonja-bongers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8076\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8076"},{"taxonomy":"quellen","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/quellen?post=8076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}