{"id":842,"date":"2011-03-08T17:00:00","date_gmt":"2011-03-08T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.meier-gerdingh.de\/spd-oberhausen\/wp\/?p=842"},"modified":"2017-05-16T14:14:24","modified_gmt":"2017-05-16T12:14:24","slug":"100-jahre-internationaler-frauentag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/2011\/03\/08\/100-jahre-internationaler-frauentag\/","title":{"rendered":"100 Jahre Internationaler Frauentag!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/logo_asf_09.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full alignleft\" src=\"http:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-content\/uploads\/logo_asf_09.jpg\" alt=\"\" width=\"105\" height=\"140\" \/><\/a><i>Der Bundesvorstand der SPD hat anl\u00e4sslich des heutigen 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages folgenden Beschluss gefasst:<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabh\u00e4ngigkeit und Gleichstellung der Geschlechter&#8220;.<br \/>\nAugust Bebel, Die Frau und der Sozialismus<\/p>\n<p>F\u00fcr eine lebenswerte Gesellschaft brauchen wir ein gleichberechtigtes und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern. So kann sich das Potential aller Menschen am besten entfalten. Gesellschaftlicher Fortschritt und die Gleichstellung der Geschlechter geh\u00f6ren zusammen.<!--more--><\/p>\n<p>Diese Erkenntnis pr\u00e4gt die Sozialdemokratie seit mehr als 130 Jahren. Sie war der Antrieb f\u00fcr gesellschaftspolitische Erfolge der SPD, wie: gleiches Wahlrecht, Angleichung der L\u00f6hne, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Reform des Ehe- und Familienrechts.<\/p>\n<p>Die SPD kann anl\u00e4sslich des 100. Internationalen Frauentages (siehe Anlage) stolz auf das Erreichte sein. Mit dem hier vorgestellten Aktionsplan f\u00fcr ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern setzen wir diesen Weg fort.<\/p>\n<p>Die Gleichstellung der Geschlechter und eine neue, gleichberechtigte Partnerschaftlichkeit sind Schl\u00fcssel f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit unserer Gesellschaft. Frauen und M\u00e4nner m\u00fcssen nicht nur die gleichen Startchancen haben, sondern sich tats\u00e4chlich partnerschaftlich Familie sowie Beruf und Karriere teilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten kann sich selbst verwirklichen wie noch nie. Vielf\u00e4ltige neue Lebensentw\u00fcrfe entstehen. Dennoch leben die alten Rollenmuster fort, verbunden mit ungleicher Bezahlung und geringeren Karrierechancen.<\/p>\n<p>Die meisten Frauen und immer mehr M\u00e4nner wollen diese Ungerechtigkeit nicht l\u00e4nger hinnehmen. Sie wollen sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Kinder und den famili\u00e4ren Alltag k\u00fcmmern. Sie wollen sich beide in ihrem Beruf verwirklichen, sich qualifizieren und aufsteigen. Sie wollen die Freude und die Belastungen in der Familie teilen.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz der Partnerschaftlichkeit bleibt nicht auf den privaten Bereich begrenzt, er kann die Kultur der ganzen Gesellschaft pr\u00e4gen. Er f\u00fchrt zu einem Wandel der Arbeitswelt. Dazu geh\u00f6ren flexible Arbeitszeiten, damit neben dem Beruf Raum ist f\u00fcr Familie, Weiterbildung, gesellschaftliches Engagement und Freizeit. Davon profitieren insbesondere Alleinerziehende.<\/p>\n<p>Echte Partnerschaftlichkeit erfordert neues Denken in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens: Bildung, Betreuung und Pflege, Arbeitsmarkt und Steuergesetzgebung.<\/p>\n<p>Wir brauchen zudem gesetzlich verankerte Quoten, damit sich Frauen auch dort durchsetzen k\u00f6nnen, wo ihnen eingefahrene Machtgef\u00fcge den Weg versperren. Wer dazu nicht bereit ist, wie die Bundeskanzlerin, verfestigt ungerechte und unproduktive Verh\u00e4ltnisse. Wir wollen sie ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><b>Aktionsplan f\u00fcr ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern<\/b><\/p>\n<p>Mit unserem &#8222;Aktionsplan Gleichstellung&#8220; wollen wir eine partnerschaftliche und gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens erreichen. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>die Aufwertung der so genannten Frauenberufe<\/li>\n<li>gute Arbeit statt prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung<\/li>\n<li>fl\u00e4chendeckende gesetzliche Mindestl\u00f6hne<\/li>\n<li>ein Entgeltgleichheitsgesetz<\/li>\n<li>Abbau der Diskriminierung durch Teilzeitarbeit<\/li>\n<li>die partnerschaftliche Teilung von Beruf und Karriere einerseits und famili\u00e4rer Sorge anderseits, durch Infrastruktur und sozial abgesicherte Reduzierung der regul\u00e4ren Arbeitszeit<\/li>\n<li>gesetzliche Mindestquoten von 40 Prozent f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Aufsichtsr\u00e4te<\/li>\n<li>ein geschlechtergerechtes Steuersystem<\/li>\n<li>die parit\u00e4tische Besetzung von \u00f6ffentlich-rechtlichen Gremien und Gremien, in denen die \u00f6ffentliche Hand die Mehrheit entsendet<\/li>\n<li>ein neuer Frauenf\u00f6rderplan f\u00fcr die SPD<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Handeln bei Bildung und Berufswahl<\/b><\/p>\n<p>Frauen haben bessere und h\u00f6here Bildungsabschl\u00fcsse als M\u00e4nner. Die Wahl ihrer Studienf\u00e4cher und ihrer Berufe ist dennoch sehr eingeschr\u00e4nkt. Bei der dualen Ausbildung beschr\u00e4nken sich Frauen auf wenige Berufe, die zudem schlecht bezahlt sind und kaum Aufstiegsm\u00f6glichkeiten bieten. In naturwissenschaftlichen und technischen Studieng\u00e4ngen sind sie immer noch in der Minderheit. Selbst in den Studienf\u00e4chern, die h\u00e4ufig von Frauen belegt werden, promovieren und habilitieren Frauen seltener als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Wir wollen f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung dieses geschlechtsspezifischen Verhaltens werben. Das partnerschaftliche und gleichberechtigte Miteinander muss von Anfang an Leitbild der Erziehung sein. Wir wollen &#8222;typische Frauenberufe&#8220; aufwerten, um sie f\u00fcr beide Geschlechter attraktiv zu machen. Es ist nicht einzusehen, dass die Reparatur von Waschmaschinen besser bezahlt wird als die Erziehung unserer Kinder.<\/p>\n<p><b>Handeln am Arbeitsplatz und im Betrieb<\/b><\/p>\n<p>Ein partnerschaftliches Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern am Arbeitsplatz setzt gleiche Bezahlung f\u00fcr gleiche Leistung voraus. Es erfordert flexible Arbeitszeiten, die den unterschiedlichen Lebensphasen gerecht werden. Frauen m\u00fcssen die gleiche Chance haben wie M\u00e4nner, F\u00fchrungspositionen auszuf\u00fcllen. Zudem m\u00fcssen Beruf und Karriere f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner mit einem erf\u00fcllten Familienleben vereinbar sein.<\/p>\n<p>Frauen verdienen 23 Prozent weniger als M\u00e4nner. Bei gleichwertiger T\u00e4tigkeit sind es 13 Prozent. Das ist ein Skandal.<\/p>\n<p>Wir wollen daher fl\u00e4chendeckende gesetzliche Mindestl\u00f6hne einf\u00fchren. Das Prinzip gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit wollen wir durchsetzen und typische Frauenberufe aufwerten. Dazu werden wir im Deutschen Bundestag ein Gesetz f\u00fcr Entgeltgleichheit vorlegen.<\/p>\n<p>Auch die Gestaltung der Arbeitszeit wird f\u00fcr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer wichtiger. Die Kindererziehung sowie die Pflege Angeh\u00f6riger einerseits und Beruf sowie Karriere andererseits m\u00fcssen sich miteinander vereinbaren lassen. Wenn die Besch\u00e4ftigten st\u00e4ndig verf\u00fcgbar sein m\u00fcssen und \u00fcberlang arbeiten, ist das auf Dauer kontraproduktiv. Nicht nur die Gesundheit der Besch\u00e4ftigten leidet, sondern auch die Produktivit\u00e4t der Unternehmen.<\/p>\n<p>Deshalb brauchen wir neben einer besseren Betreuungs-, Bildungs- und Pflegeinfrastruktur eine Arbeitszeitpolitik und vor allem Arbeitsorganisation, die unterschiedlichen Lebensphasen gerecht wird. Wir wollen mit Lohnersatzleistungen Zeiten von Kindererziehung und Pflege finanziell abfedern. Bei beruflicher und au\u00dferberuflicher Weiterqualifizierung wollen wir ebenfalls Lohnersatzleistungen im Rahmen einer Arbeitsversicherung einf\u00fchren.<\/p>\n<p>In kaum einem anderen europ\u00e4ischen Land gibt es so wenige Frauen in F\u00fchrungspositionen. Die freiwillige Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Wirtschaftsverb\u00e4nden (2001) hat daran wie erwartet nichts gebessert. Diese gigantische Verschleuderung von Bildung und sozialer Kompetenz darf sich eine wettbewerbsorientierte Volkswirtschaft einfach nicht leisten.<\/p>\n<p>Von alleine \u00e4ndert sich nichts. Die m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte Unternehmenskultur, wozu auch die abendliche Pr\u00e4senz geh\u00f6rt, schlie\u00dft nach wie vor Arbeitnehmerinnen, insbesondere M\u00fctter, von Karrieren aus.<\/p>\n<p>Wir werden daher im Deutschen Bundestag ein Gleichstellungsgesetz f\u00fcr die Privatwirtschaft inklusive einer Mindestquote von 40 Prozent Frauen f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Aufsichtsr\u00e4te vorlegen. Dieses Ziel wollen wir bis zu den \u00fcbern\u00e4chsten Aufsichtsratswahlen im Jahr 2018 f\u00fcr b\u00f6rsennotierte Aktiengesellschaften erreicht haben. Wie das Beispiel Norwegen zeigt, liegt das auch im Interesse der Wirtschaft. Gemischte Teams sind produktiver. Dies gilt auch f\u00fcr F\u00fchrungspositionen in Wissenschaft und Forschung.<\/p>\n<p>Arbeit und Karriere m\u00fcssen mit dem Wunsch vereinbar sein, Kinder zu haben und sich um sie k\u00fcmmern zu k\u00f6nnen &#8211; f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner. Besonders in Westdeutschland reduzieren viele M\u00fctter ihre Arbeitszeit, w\u00e4hrend die V\u00e4ter ihre Arbeitszeit erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Das finden h\u00e4ufig beide Partner unbefriedigend, entspricht aber noch viel zu oft der \u00f6konomischen Vernunft und den \u00d6ffnungszeiten der Kitas und Schulen.<\/p>\n<p>Das Elterngeld und der Ausbau der Ganztagesbetreuung erleichtern es bereits, Kinder zu haben und einen Beruf auszu\u00fcben. Allerdings nimmt nur ein Viertel der V\u00e4ter Elternzeit &#8211; meist nur zwei Monate. Wir wollen das Elterngeld daher k\u00fcnftig so gestalten, dass die Elternzeit partnerschaftlicher als bisher aufgeteilt werden kann.<\/p>\n<p>Zudem wollen wir die Vereinbarkeit h\u00e4uslicher Pflege mit Beruf und Karriere verbessern &#8211; durch eine partnerschaftlich ausgestaltete und sozial abgesicherte Pflegezeitregelung, die das Pflegen von Angeh\u00f6rigen nicht zur beruflichen und finanziellen Sackgasse werden l\u00e4sst, durch wohnortnahe Infrastruktur, wie zum Beispiel Pflegest\u00fctzpunkte oder Tagespflege, sowie durch bezahlbare Dienstleistungen zur Unterst\u00fctzung der h\u00e4uslichen Pflege, wie z.B. Haushaltshilfen oder Betreuung der Pflegebed\u00fcrftigen.<\/p>\n<p><b>Handeln f\u00fcr bessere gesetzliche Rahmenbedingungen<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten Frauen, vor allem in Ostdeutschland, ist es selbstverst\u00e4ndlich, erwerbst\u00e4tig zu sein, auch wenn sie verheiratet sind und Kinder haben. \u00dcber 60 Prozent der M\u00fctter kleiner Kinder sind berufst\u00e4tig. Das sind allerdings deutlich weniger als in vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, vor allem den skandinavischen. Zwar arbeiten auch in Deutschland immer mehr Frauen, aber sie arbeiten insgesamt nicht mehr Stunden. H\u00e4ufig arbeiten gerade Frauen in prek\u00e4ren Jobs als (unfreiwillig) Teilzeitbesch\u00e4ftigte oder Mini-Jobberinnen ohne soziale Absicherung. Das bedeutet: schlechtere Bezahlung, fehlende eigenst\u00e4ndige Existenzsicherung, mangelnde Aufstiegsm\u00f6glichkeiten, Altersarmut. Diese Benachteiligungen wollen wir abbauen.<\/p>\n<p>Teilzeitarbeit, insbesondere mit geringer Stundenzahl, ist der Karrierekiller Nummer eins. Deshalb wollen wir den Besch\u00e4ftigten einen rechtlichen Anspruch auf befristete Teilzeit geben, die von der Stundenzahl her der Vollzeit m\u00f6glichst nahe kommt. Gleichzeitig werden wir im Teilzeitbereich gleichen Lohn, gleiche Qualifizierungsm\u00f6glichkeiten und gleiche Aufstiegschancen von Vollzeit- und Teilzeitbesch\u00e4ftigten durchsetzen.<\/p>\n<p>Zudem wollen wir die w\u00f6chentlich zul\u00e4ssige Arbeitszeit f\u00fcr die Mini-Jobs wieder begrenzen, um Lohndumping zu verhindern. Wir wollen bis zum n\u00e4chsten Parteitag ein Konzept vorlegen, das regul\u00e4re und sozial abgesicherte Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr alle f\u00f6rdert anstatt ausufernde Minijobs.<\/p>\n<p>Bisher macht das Steuerrecht die Wiederaufnahme einer Erwerbst\u00e4tigkeit f\u00fcr Ehefrauen unattraktiv. Das Ehegattensplitting, das bekanntlich nicht an Kinder gebunden ist, beg\u00fcnstigt den m\u00e4nnlichen Alleinverdiener mit h\u00f6herem Einkommen. Das wird auch von Europ\u00e4ischer Union und OECD scharf kritisiert.<\/p>\n<p>Wir wollen eine individuelle Besteuerung beider Ehegatten. Das soll aus Gr\u00fcnden des Vertrauensschutzes nur f\u00fcr k\u00fcnftige Ehen gelten. Gegenseitige Unterhaltsverpflichtungen werden steuerlich angerechnet.<\/p>\n<p><b>Politik als Vorbild &#8211; ein neuer Frauenf\u00f6rderplan f\u00fcr die SPD<\/b><\/p>\n<p>Wer die Gesellschaft ver\u00e4ndern will, muss bei sich selbst anfangen.<br \/>\nDie Einf\u00fchrung der Quote vor mehr als 20 Jahren hat die SPD positiv ver\u00e4ndert. Im Parteivorstand betr\u00e4gt der Frauenanteil mittlerweile 42 Prozent, im Pr\u00e4sidium 41,2 Prozent und in der SPD-Bundestagsfraktion 38,5 Prozent. Auch in den Landes- und Bezirksvorst\u00e4nden ist die Mindestquote von 40 Prozent \u00fcberwiegend erreicht.<\/p>\n<p>Aber wir haben althergebrachte Strukturen noch nicht vollends beseitigen k\u00f6nnen: Nur der Landesverband Nordrhein-Westfalen hat eine weibliche Vorsitzende. Und nur in etwa jedem vierten Unterbezirk bzw. Kreisverband steht eine Frau an der Spitze. In den Ortsvereinen sind es noch weniger.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen daher insbesondere die aktive Frauenf\u00f6rderung auf der kommunalen Ebene verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Bislang kann ein Versto\u00df gegen die 1988 eingef\u00fchrte Quoten-Regelung nicht bestraft werden. Und so kommt es weiterhin vor, dass nicht aktiv nach Frauen gesucht, die Wahlordnung zuungunsten von Frauen nicht richtig angewandt oder gar die Kandidatur von Frauen verhindert wird.<\/p>\n<p>Wir werden daher f\u00fcr die Ortsvereine, Unterbezirke, Bezirke und Landesverb\u00e4nde Frauenf\u00f6rderpl\u00e4ne entwickeln.<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnen wir auch von unseren internationalen Schwesterparteien lernen, wie zum Beispiel der Norwegischen Arbeiterpartei. Ihr Trainingsprogramm &#8222;Women can do it&#8220; st\u00e4rkt das Selbstvertrauen und lehrt die Regeln der politischen und organisatorischen Arbeit. Es f\u00f6rdert zudem Netzwerke. Das alles erleichtert Frauen mehr Einfluss zu bekommen.<br \/>\nWir werden unsere parteiinternen Bildungsangebote &#8211; die Parteischule, die Kommunalakademie, die F\u00fchrungsakademie und das Netzwerk Politische Bildung &#8211; nutzen, um Frauenf\u00f6rderung und Gendertrainings zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu machen.<\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr uns noch viel zu tun, aber wir packen es an:<\/p>\n<p>Wir wollen unsere Arbeitsstrukturen so ver\u00e4ndern, dass Beruf und Familie auch mit politischem Engagement besser vereinbar werden.<\/p>\n<p>Auch das Wahlrecht verhindert in vielen F\u00e4llen, dass Frauen in kommunalen Gremien und Parlamenten besser vertreten sind. Deshalb wollen wir nach dem Vorbild des franz\u00f6sischen Parit\u00e9-Gesetzes im Bundestag und in den Landtagen entsprechende Vorschl\u00e4ge zur \u00c4nderung der Wahlgesetze einbringen, um eine parit\u00e4tische Besetzung von Wahllisten, notfalls auch durch Androhung finanzieller Sanktionen, durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zu diesen Fragen &#8211; ebenso wie zur besseren Repr\u00e4sentanz von Frauen in hauptamtlichen F\u00fchrungspositionen &#8211; wird der Parteivorstand dem ordentlichen Parteitag im Dezember 2011 einen Frauenf\u00f6rderplan vorlegen. Ziel ist eine parit\u00e4tische Beteiligung von Frauen und M\u00e4nnern auf allen Ebenen innerhalb der n\u00e4chsten 10 Jahre.<\/p>\n<p><b>Anlage:<\/b><\/p>\n<p><b>100 Jahre Internationaler Frauentag &#8211; eine Bilanz<\/b><\/p>\n<p>Die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist seit mehr als 130 Jahren das Ziel der Sozialdemokratie. August Bebel hat in seinem ber\u00fchmten Buch &#8222;Die Frau und der Sozialismus&#8220; bereits 1879 ein Bild gezeichnet, wie er sich &#8222;Die Frau in der Zukunft&#8220; vorstellt: &#8222;Die Frau der neuen Gesellschaft ist sozial und \u00f6konomisch vollkommen unabh\u00e4ngig, sie ist keinem Schein von Herrschaft und Ausbeutung mehr unterworfen, sie steht dem Manne als Freie, Gleiche gegen\u00fcber und ist Herrin ihrer Geschicke.&#8220;<\/p>\n<p>Partnerschaftliche gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und M\u00e4nnern am Erwerbsleben, an der Familienarbeit und am gesellschaftlichen und kulturellen Leben war und ist das Leitbild der SPD. Hierf\u00fcr die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen zu schaffen, hat bis heute nichts an Aktualit\u00e4t verloren, auch wenn wir der Vision von August Bebel in vielem schon nahe gekommen sind.<\/p>\n<p><b>100 Jahre Internationaler Frauentag &#8211; 100 Jahre Kampf f\u00fcr die Rechte der Frauen<\/b><\/p>\n<p>Bereits am 19. M\u00e4rz 1911 waren die zentralen Forderungen der Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen: Gleiches Wahlrecht, gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit sowie Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes f\u00fcr Frauen. Viele Fortschritte, wie z.B. das Wahlrecht, aber auch die Reform des Ehe- und Familienrechtes, die aktive Frauenf\u00f6rderung und vieles mehr gehen auf das Engagement von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Regierungsverantwortung, aber auch auf Urteile des Bundesverfassungsgerichtes oder des Europ\u00e4ischen Gerichtshofes zur\u00fcck. Die formale rechtliche Gleichstellung ist erreicht &#8211; die tats\u00e4chliche allerdings noch nicht.<\/p>\n<p>2011 erinnern wir an den Internationalen Frauentag, der am 19. M\u00e4rz 1911 erstmals stattfand. Die Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen hatte 1910 auf Antrag von Clara Zetkin beschlossen, einen Frauentag zu veranstalten, &#8222;der in erster Linie der Agitation f\u00fcr das Frauenwahlrecht dient.&#8220; 1911 begingen Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen den Internationalen Frauentag als Kampftag f\u00fcr die Rechte der Frauen. Gleiches Wahlrecht, aber auch gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit sowie Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes f\u00fcr Frauen z\u00e4hlten zu den Forderungen der Demonstrantinnen.<\/p>\n<p>Die SPD forderte seit 1891 das allgemeine und gleiche Wahlrecht bereits in ihrem Grundsatzprogramm. Sie stellte als einzige Partei immer wieder Antr\u00e4ge im Reichstag. Sie konnte es aber erst 1918 nach dem politischen Umsturz vom Kaiserreich zur Republik durchsetzen.<\/p>\n<p>Erstmals konnten Frauen 1919 an der Wahl zur Nationalversammlung teilnehmen und selbst gew\u00e4hlt werden. Die Sozialdemokratin Marie Juchacz sprach am 19. Februar 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament.<\/p>\n<p>In der Zeit der Hitler-Diktatur wurde den Frauen das passive Wahlrecht wieder genommen, sie verloren erneut das Recht auf demokratische Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft, ihr Zugang zu den Universit\u00e4ten wurde drastisch eingeschr\u00e4nkt, Beamtinnen wurden aus dem \u00f6ffentlichen Dienst entlassen. Die nationalsozialistische Ideologie warf die Frau auf ihre Rolle als H\u00fcterin des Hauses und Mutter zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Nach dem Desaster des Zweiten Weltkrieges kn\u00fcpfte die SPD da an, wo 1933 ein brutales Ende gesetzt wurde. Die Sozialdemokratin Elisabeth Selbert k\u00e4mpfte als eine der vier &#8222;M\u00fctter des Grundgesetzes&#8220; im Parlamentarischen Rat &#8211; letztlich erfolgreich &#8211; vehement f\u00fcr die Gleichberechtigung der Frau ohne Wenn und Aber. Mit der formellen Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland wurde 1949 das Gleichberechtigungsgebot und Diskriminierungsverbot mit Artikel 3 geltendes Recht im westlichen Teil des Nachkriegsdeutschlands festgeschrieben, dessen Teilung immer tiefere Gr\u00e4ben aufriss.<\/p>\n<p>Auch in der DDR-Verfassung von 1949 war die Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern verankert, auch hier waren Lohngleichheit und der besondere Schutz von Frauen rechtlich geregelt. Aber in der Praxis ergaben sich f\u00fcr die Frauen in Ost und West unterschiedliche Lebenswirklichkeiten. In der DDR galt das Leitbild der vollerwerbst\u00e4tigen Frau, Kinderbetreuungseinrichtungen geh\u00f6rten zu den staatlichen Aufgaben. Die Haus- und Familienarbeit blieb jedoch an den Frauen h\u00e4ngen. Dennoch wirkt die hohe Erwerbsorientierung der Frauen in Ostdeutschland bis heute fort. 1972 wurde der Schwangerschaftsabbruch in der DDR liberalisiert, Verh\u00fctungsmittel wurden kostenlos abgegeben.<\/p>\n<p>Im Westen dauerte der politische Kampf um die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs noch ein paar Jahre l\u00e4nger. Hier hatte sich nach 1949 eher wieder die traditionelle Rolle der Frau und Mutter als Hausfrau und als Zuverdienerin etabliert. Damit geriet auch der Internationale Frauentag zwischen die ideologischen Fronten. In der DDR wurde er allj\u00e4hrlich zum Rote-Nelken-Ritual, in der Bundesrepublik wurde er als &#8222;kommunistischer Feiertag&#8220; vor\u00fcbergehend aufgegeben. Seine Wiederbelebung kam von der internationalen Ebene mit dem Beschluss der UN, das Jahr 1975 zum &#8222;Jahr der Frau&#8220; zu deklarieren, in dessen Folge der Internationale Frauentag 1977 offiziell zum Tag der Vereinen Nationen f\u00fcr die Rechte der Frau und den Weltfrieden erkl\u00e4rt wurde. 1978 griff auch die Sozialistische Internationale (SI) den Gedanken wieder auf. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in der Bundesrepublik rief 1982 nach \u00fcber einem Jahrzehnt leidenschaftlicher Debatten im Rahmen der &#8222;neuen Frauenbewegung&#8220; erstmals wieder zum Internationalen Frauentag als politischem Aktionstag auf.<\/p>\n<p>Bl\u00fctezeiten der Frauen- und Gleichstellungspolitik in der Bundesrepublik ergaben sich immer dann, wenn die SPD Regierungsverantwortung trug und auch unter massivem St\u00f6rfeuer der konservativen Opposition den Mut zu Paradigmenwechseln hatte. So in den 1970er Jahren, als sie das gesetzlich immer noch verankerte Leitbild der Hausfrauenehe abschaffte, das Namensrecht entr\u00fcmpelte, im Scheidungsfall das Schuldprinzip durch das Zerr\u00fcttungsprinzip ersetzte und die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs erk\u00e4mpfte. Die rot-gr\u00fcne Bundesregierung machte sich ab 1998 erneut auf den Weg und bewirkte einen weiteren Paradigmenwechsel, der inzwischen zum Allgemeingut aller politischen Richtungen geworden ist: Ganztagsbetreuung von Kindern aller Altersstufen, ausgel\u00f6st durch ein zun\u00e4chst heftig umstrittenes Ganztagsschulprogramm mit F\u00f6rdermitteln des Bundes.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat Gleichstellungspolitik zum Grundprinzip des Regierungshandelns gemacht. Ein wesentlicher Schritt war die Einf\u00fchrung des Gender Mainstreaming Prinzips in die Gesch\u00e4ftsordnung und damit in die Praxis der Bundesregierung. Damit verpflichtete sich die Bundesregierung, in allen Politikfeldern zu pr\u00fcfen, ob und wie sie dem Ziel der Geschlechtergerechtigkeit entsprechen kann. Dieses Prinzip erg\u00e4nzt die immer noch notwendigen Frauenf\u00f6rderma\u00dfnahmen, es ist nicht etwa deren Ersatz, wie gern unterstellt wurde.<\/p>\n<p>Weitere gleichstellungspolitische Erfolge waren z. B. das Bundesgleichstellungsgesetz, das Gewaltschutzschutzgesetz, das Teilzeit- und Befristungsgesetz und die rentenrechtliche Anerkennung von Erziehungszeiten sowie die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.<\/p>\n<p>In der gro\u00dfen Koalition wurden das von der SPD entwickelte Konzept des Elterngeldes und der Rechtsanspruch von Kindern auf Bildung und Betreuung ab dem ersten Geburtstag sowie, entsprechend den Vorgaben der Europ\u00e4ischen Union, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz durchgesetzt. Nicht gelungen ist es bisher, ein Gleichstellungsgesetz f\u00fcr die Privatwirtschaft auf den Weg zu bringen. Die freiwillige Vereinbarung von 2001 zwischen der Bundesregierung und den Wirtschaftsverb\u00e4nden hat wie erwartet nicht zu mehr Frauen in F\u00fchrungspositionen gef\u00fchrt. Die schwarz-gelbe Koalition hat daraus nichts gelernt und weigert sich, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Damit tr\u00e4gt sie dazu bei, dass Deutschland in Sachen Gleichberechtigung im europ\u00e4ischen Vergleich immer mehr zur\u00fcckf\u00e4llt: die inzwischen von vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern nach dem Modell des sozialdemokratisch gepr\u00e4gten Norwegen \u00fcbernommene Verpflichtung zur 40-Prozent-Beteiligung von Frauen in Aufsichtsr\u00e4ten wurde j\u00fcngst sogar vom Sarkozy-Frankreich beschlossen.<\/p>\n<p>Die Zwischenbilanz zum 100. Internationalen Frauentag: Die SPD hat in zu wenigen Regierungsjahren viel erreicht, aber die gleichstellungspolitische Agenda ist noch l\u00e4ngst nicht ersch\u00f6pft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesvorstand der SPD hat anl\u00e4sslich des heutigen 100. Jahrestages des Internationalen Frauentages folgenden Beschluss gefasst: F\u00fcr ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern &#8222;Es gibt keine Befreiung&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"quellen":[],"class_list":["post-842","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/842\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=842"},{"taxonomy":"quellen","embeddable":true,"href":"https:\/\/meier-gerdingh.de\/wp-spd-ob\/wp-json\/wp\/v2\/quellen?post=842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}